Wanderreise: Escapardenne Lee Trail

Pfullingen: Wieder einmal stand eine mehrtägige Wanderfahrt nach Luxemburg auf dem Programm der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins. Diesmal hatten die Wanderbegleiter Traude und Gerhard Spardella sowie Gerhard Stolz und Doris Sautter den Escapardenne Lee Trail zum Wandern ausgesucht. Dieser mit einem europäischen Wandersiegel qualifizierte Weg beginnt in Ettelbruck. Die 28 Teilnehmer kamen gleich nach dem Start zu einer der zahlreichen Erinnerungsstätten an den 2. Weltkrieg, zum Patton-Denkmal. Zuerst wurde noch die gemächliche Landschaft des Gutlandes durchwandert. Dann aber folgte der Aufstieg zum Ardenner Hochplateau. Hier teilt die Nationalstraße 7 die Einzugsgebiete der Sauer und der Our – und die Pfullinger konnten sich an einer tollen Rundumsicht erfreuen. Danach ging es hinab nach Michelau. Nach einer kurzen Pause erfolgte der schweißtreibende Aufstieg zu einem der beeindruckensten Felskämme in den Luxemburger Ardennen. Vom Gringlee zeigte sich eine herrliche Aussicht über die Sauerschleife und auf die Burg Bourscheid. Auf einem schmalen serpentinenreichen Pfad gelangten die Wanderer hinab ins Sauertal und zum Tagesziel Bannmühle Bourscheid. —-km. Anschließend fuhren sie zu ihrem Standquartier nach Clervaux.
Am zeiten Tag stand zuerst eine Führung durch die Burg Bourscheid an. Diese gehört zu den wertvollsten geschichtlichen Bauwerken Luxemburgs. Ein unterhaltsamer Rundgang durch die im Jahr 1000 begonnene und über die Jahrhunderte mehrfach vergrößerte Anlage brachte auch die Geschichte des Großherzogtums näher. An der Mühle Bourscheid begannen dann die Pfullingen mit ihrer 2. Tagesetappe. Auf einem Naturpfad folgten sie der Sauer flußaufwärts. Dabei konnten sie auf der anderen Uferseite Nilgänse beobachten. Nachdem sie über eine ungewöhnliche Metallkonstruktion die Eisenbahngleise überquert hatten, mussten sie einen kurzen, aber steilen Hang hinaufklettern. Zur Abwechslung folgte dann ein Pfad, der sich durch die Felsvorsprünge des „Féischterleen“ schlängelte. Lohhecken begrenzten den Weg hinauf zum Dorf Bourscheid. Bei der Mittagsrast konnten die Wanderer eine grandiose Aussicht genießen. Am „Napoleonknäppchen“ hatten sie mit 505 m den höchsten Punkt ihrer Wanderung erreicht. Der anschließende Abstieg führte wieder 300 m hinab nach Dirbach. Unten angekommen nahmen einige Albvereinler ein Fußbad, bevor der Wanderweg über die Terrasse eines Hotels weiterführte. Auf weiterhin schönen und schmalen Naturpfaden gelangten die Wanderer zur Goebelsmühle. Von hier aus weiterhin mehr bergauf als bergab ins Schlindertal. Hier stand dann die letzte Herausforderung des Tages an, die „Molberlee“, ein Felskamm, der das Schlindertal mit dem 200 m weiter oben auf dem Plateau gelegene Dorf Hoscheid verbindet. Dieser Schieferaufschluss bietet auch einer seltenen Flora Schutz. Geschafft, aber glücklich über das Naturerlebnis erreichten die Wanderer ihr 2. Etappenziel.
Am 3. Tag führte der Wanderweg zuerst entlang eines „Klangweges“ hinunter ins Schlindertal. Bei der Kapelle Saint-Michel stimmten die Albvereinler dann ein Lied an. Durch mannshohe Ginsterbüsche erreichten sie einen abgelegenen Winkel im Tal. Hier hatten sich in einem Bunker 17 junge Luxemburger einige Monate versteckt und schafften es so, sich dem Militärdienst in der Wehrmacht zu entziehen. Durch das Heidegebiet Bomm gelangten die Wanderer dann hinab nach Kautenbach, wo der Escapardenne Lee Trail endet. Mit dem Bus fuhren sie dann zu Schumann´s Eck. Diese Straßenkreuzung war im Winter 44/45 hart umkämpft. Die Pfullinger erlebten eine beeindruckende Führung entlang der Schützenlöcher in den Wäldern. Der sehr engagierte Führer brachte die Wanderer noch zu einem Eisenbahntunnel, der zuletzt als notdürftiges Lazarett diente. Auch brachte er Original-Interviews zu Gehör, die er mit deutschen und amerikanischen Oberbefehlshabern jener Zeit geführt hatte. Zur Abrundung wurde noch in Wiltz das Museum der Ardennen-Offensive besucht und daran anschließend gab es noch eine Führung durchs nationale Braukunstmuseum mit einem Versucherle.
Am letzten Tag wanderten die Pfullinger noch im Naturpark Our. Von Daßburg-Pont ging es auf schmalen und abwechslungsreichen Pfaden entlang des Flusses Our zur Kalborner Mühle. Dabei wurden sie von den lockenden Rufen des Kuckucks begleitet. Die Mühle ist heute ein Naturschutzzentrum und dient als Flußperlmuschelaufzuchtstation. Bei einem kleinen Rundgang erfuhren die Albvereinler u.a. daß diese vom Aussterben bedrohte Muschelart über 100 Jahre alt werden kann. Weiter führte die Wanderung zum Europadenkmal am Dreiländereck. Hier stoßen die Grenzen von Belgien, Luxemburg und Deutschland zusammen. Unter dem Eindruck der vergangenen Tage mit den vielen Erinnerungen an die Ardennen-Offensive ließ nun die Situation am Dreiländereck ohne Grenzen, ohne Kontrollen und ohne Schlagbäume die Errungenschaft des freien und grenzenlosen Europas begreifen.
Nach insgesamt über 75 Kilometern Wanderstrecke bei sommerlichen Temperaturen und rund 2500 Höhenmetern hatten die Teilnehmer eine erlebnisreiche und beeindruckende Tour absolviert mit viel wissenswertem aus Geschichte und Geologie – ein unvergessliches Erlebnis.
Der bei den vielfachen Aufstiegen erlittene Flüssigkeitsverlust wurde abends in unserem hervorragenden Hotel in Clervaux in geselliger Runde wieder ausgeglichen 😋