KulturTour: Daniel Straub und die Paradiestür

Am 8 Juli organisierte die Ortsgruppe Pfullingen des Schw. Albvereins eine „KulturTour“ in und um Geislingen. Beginnend in der Altstadt führte der Weg am Wappentier der Helfensteiner (11.Jh.), dem Elefanten, vorbei. Dieser steht als Symbol in Form eines Brunnens in der Hauptstraße. Vor der Kirche und dem ehemaligen Kloster mit einem erhaltenen Rest der Klostermauer befindet sich das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I.. Dieser fast lebensgroße Bronzeguss entstand bei der frühen WMF, welche ein Nachfolgeunternehmen der Metallwarenfabrik Straub & Sohn ist. Das nächste Ziel war der städtische Friedhof. Hier ruht in einer eigens für seinen sehr früh verstorbenen Sohn Heinrich erbauten Grabkapelle heute die ganze Familie Straub, Daniel, Katharina und Heinrich. Nach diesem geschichtlichen Einblick folgte die Wandergruppe nun dem Flüsschen Rohrach, welches mehrere Mühlen in Geislingen antrieb. Im heutigen Naturschutzgebiet Rohrachtal kamen die Wanderer an den Rohrachsee, ein künstlich aufgestauter Wasserspeicher aus der Mühlenzeit. Weiter aufwärts immer am Bach entlang folgte nun das Geburtshaus von Daniel Straub, die Straub- oder auch Schimmel-Mühle. Dieser heute irreführende Name hat seinen Ursprung daher, dass in früheren Zeiten das Mehl auf Wagen ausgeliefert wurde, welche von Schimmeln gezogen wurden. Heute steht wieder unübersehbar „Straub-Mühle“ am Mühlengebäude. Der Weg steigt jetzt spürbar im enger werdenden Tal an, die B10, die Bahnlinie Geislinger Steige und der Wanderweg rücken eng zusammen. Am oberen Talende angekommen überquerte die Gruppe beide Verkehrswege. An der Ziegelhütte vorbei führte der Weg nun am Trauf entlang zum Mühltalfelsen. Von hier aus hat man einen einmaligen Blick auf das Tal der Rohrach mit der gewundenen Bahnlinie und der parallel verlaufenden B10. Nach einer verdienten Pause war das nächste Ziel der Weiler Hofstett am Steig in dem noch eine alte Hüle erhalten ist und weiter zum Ödenturm. Dieser wird heute vom SAV Geislingen betreut und gehörte als Vorposten zu Burg Helfenstein. Vorbei an Weiler erreichten die Wanderer nun die Burgruine Helfenstein. Da diese bewirtschaftet ist und Biergartenwetter herrschte, wurde dies gerne zu einer weiteren Pause genutzt. Nach dem Abstieg von der Burg in die Stadt stand nun die letzte Überraschung auf dem Plan, die Besichtigung der sogenannten „Paradiestüre“. Im Auftrag des Stettiner Stadtmuseums wurde 1911 von der Galvanoplastischen Kunstanstalt der WMF eine originalgetreue Kopie des Ostportals des Baptisteriums in Florenz angefertigt. Die Leimformabdrücke des Originals dieser 4 x 6 m großen Tür mit 10 Bildreliefs aus dem Alten Testament wurden in Geislingen galvanisiert und nach mehreren weiteren Bearbeitungsschritten galvanisch vergoldet – ein kunsthandwerkliches Meisterstück von mehr als 2000 ! Arbeitsstunden Aufwand. Bedingt durch den ersten Weltkrieg wurde dieses kostspielige Kunstwerk jedoch nie bezahlt und so holte die WMF ihr Werk 1928 wieder zurück. Bei der Abschlusseinkehr bedankte sich Doris Sautter bei den Wanderführern B. Hirsch und U. Rall für diese interessante Wanderung.